WAS WAR EINE WUNDERSCHÖNE ARBEIT, DIE DU MAL GEMACHT HAST? 

 

#Identifikation


In welchem Job kann ich mich am besten selbst verwirklichen? Wie kann ich meine Leidenschaft zum Beruf machen? Das sind historisch betrachtet sehr neue Fragen, die bisher bei der Berufswahl nur eine nachgeordnete Rolle gespielt haben. In unserer Zeit lautet das Mantra hingegen „Do what you love“ - du kannst alles erreichen, wenn du nur deiner Leidenschaft nachgehst, hart dafür arbeitest und fest an dich glaubst. Allerdings ist „Do what you love“ ein verkleideter, versteckter Elitismus, denn wer kann es sich schon leisten stets seiner Leidenschaft nachzugehen? Ein junger Mann, desssen Eltern sein Studium an einer Privatuniversität sowie die Unterkunft bezahlen, wahrscheinlich schon. Eine alleinerziehende Mutter, die sich ohne Unterstützung um die Versorgung ihrer Familie kümmern muss, wahrscheinlich nicht. Die Hingabe zum Beruf wird in priveligierten Kreisen zur noblen Geste der Selbstoptimierung. Demnach ist Arbeit nicht primär etwas, das man gegen Geld tauscht, sondern ein Akt der Selbstverwirklichung. Das Selbst wird über den Beruf erst wirklich legitmiert. Ich arbeite nicht als Grafikdesignerin, ich bin Grafikdesignerin. Laura Wiesböck




#Plan


Privilegien. Das ist ein großes Thema. Im Aktivismus. Allen voran im Netzaktivismus, aber eigentlich gehört es an jeden Tisch, in jeden Kopf, in viele Debatten. Nicht nur von denjenigen*, die sich bewusst dieser Thematik widmen, sondern vor allem bei Menschen, die sich ihrer Vorteile gar nicht so bewusst sind. Denn ein Privileg ist ein Vorrecht, das einer einzelnen Person oder einer Personengruppe zugeteilt wird. Es geht dabei nicht darum, dass Einzelpersonen schlechte Menschen sind. Es geht vielmehr, um das gesamte System, dass bestimmte Gruppen bevorzugt und andere unterdrückt. So ist es ein Privileg, kein Rassismus oder Sexismus abzubekommen oder niemals Angst vor Armut zu haben. Ich bin eine Schwarze Frau in Deutschland. Doch ich bin eine light-skinned, cis-Schwarze Frau, die normschön ist. Privilegien zu haben bedeutet nicht, dass du selbst auf einer Weise Unterdrückung erlebt hast. Zwar habe ich meinen Master in Politik gemacht, aber ich bin ein Arbeiter*innenkind. Es war ein verdammt steiniger Weg dorthin. Der Begriff "Arbeiter*innenkind" stammt von “Kinder von Arbeitern” und ist im politischen Diskurs bereits etabliert. Dabei handelt es sich um Kinder und Jugendliche, die einer sozialen Schicht angehören, die über geringeres Einkommen, Ansehen und Bildungschancen verfügen. Ein sozialer Aufstieg ist schwer. In Zahlen bedeutet es, das von 100 Kindern, deren Eltern nicht studiert haben, 21 an eine Hochschule gehen, 15 einen Bachelor schaffen, 8 den Master machen und nur eine*r promoviert. Das hat sich in den letzten fünf Jahren nicht geändert. Prekäre Finanzen, Doppelbelastung durch Zweitjobs, weniger Unterstützung aus dem eigenen sozialen Milieu beim Übergang auf den Arbeitsmarkt, sind nur einige Aspekte, die das Leben für Arbeiterkinder im Universitätsbereich erschweren. Ciani-Sophia Hoeder Es gibt immer Türen, die bleiben dir verschlossen, wenn du eine Frau bist, wenn du jung bist oder schwarz bist. Aber als weißer alter intelligenter reicher Mann sind alle Türen, die ab Werk geöffnet sein können, auf. Man kann immer noch Pech haben, man kann immer noch echt arm dran sein, aber die Werkeinstellung für dich ist die beste, wenn du ein Mann bist. Wenn man solch einen Startvorteil hat, ist es ganz schwer zu abstrahieren, dass deine Leistung nicht nur deine Leistung ist, sondern auch deinem Status geschuldet ist, den du nicht selbst verschuldet hast. Sophie Passmann im Gespräch mit Sascha Lobo




#Arbeitsethos


Das Arbeitsethos ist die Arena, in der eine tiefere Erfahrung heute am nachhaltigsten angegriffen wird. So wie wir das Arbeitsethos gewöhnlich verstehen, steht es für den disziplinierten Gebrauch der eigenen Zeit und den Wert aufgeschobener Belohnung. In einer Ordnung, wo sich Institutionen rasch verändern, verliert die aufgeschobene Belohnung ihren Wert. Richard Sennett





 

WELCHE REGELN WÜRDEST DU AN DEINEM ARBEITSPLATZ EINFÜHREN, WENN DU EINEN TAG ENTSCHEIDEN KÖNNTEST? 

#Identifikation


In welchem Job kann ich mich am besten selbst verwirklichen? Wie kann ich meine Leidenschaft zum Beruf machen? Das sind historisch betrachtet sehr neue Fragen, die bisher bei der Berufswahl nur eine nachgeordnete Rolle gespielt haben. In unserer Zeit lautet das Mantra hingegen „Do what you love“ - du kannst alles erreichen, wenn du nur deiner Leidenschaft nachgehst, hart dafür arbeitest und fest an dich glaubst. Allerdings ist „Do what you love“ ein verkleideter, versteckter Elitismus, denn wer kann es sich schon leisten stets seiner Leidenschaft nachzugehen? Ein junger Mann, desssen Eltern sein Studium an einer Privatuniversität sowie die Unterkunft bezahlen, wahrscheinlich schon. Eine alleinerziehende Mutter, die sich ohne Unterstützung um die Versorgung ihrer Familie kümmern muss, wahrscheinlich nicht. Die Hingabe zum Beruf wird in priveligierten Kreisen zur noblen Geste der Selbstoptimierung. Demnach ist Arbeit nicht primär etwas, das man gegen Geld tauscht, sondern ein Akt der Selbstverwirklichung. Das Selbst wird über den Beruf erst wirklich legitmiert. Ich arbeite nicht als Grafikdesignerin, ich bin Grafikdesignerin. Laura Wiesböck




#Plan


Privilegien. Das ist ein großes Thema. Im Aktivismus. Allen voran im Netzaktivismus, aber eigentlich gehört es an jeden Tisch, in jeden Kopf, in viele Debatten. Nicht nur von denjenigen*, die sich bewusst dieser Thematik widmen, sondern vor allem bei Menschen, die sich ihrer Vorteile gar nicht so bewusst sind. Denn ein Privileg ist ein Vorrecht, das einer einzelnen Person oder einer Personengruppe zugeteilt wird. Es geht dabei nicht darum, dass Einzelpersonen schlechte Menschen sind. Es geht vielmehr, um das gesamte System, dass bestimmte Gruppen bevorzugt und andere unterdrückt. So ist es ein Privileg, kein Rassismus oder Sexismus abzubekommen oder niemals Angst vor Armut zu haben. Ich bin eine Schwarze Frau in Deutschland. Doch ich bin eine light-skinned, cis-Schwarze Frau, die normschön ist. Privilegien zu haben bedeutet nicht, dass du selbst auf einer Weise Unterdrückung erlebt hast. Zwar habe ich meinen Master in Politik gemacht, aber ich bin ein Arbeiter*innenkind. Es war ein verdammt steiniger Weg dorthin. Der Begriff "Arbeiter*innenkind" stammt von “Kinder von Arbeitern” und ist im politischen Diskurs bereits etabliert. Dabei handelt es sich um Kinder und Jugendliche, die einer sozialen Schicht angehören, die über geringeres Einkommen, Ansehen und Bildungschancen verfügen. Ein sozialer Aufstieg ist schwer. In Zahlen bedeutet es, das von 100 Kindern, deren Eltern nicht studiert haben, 21 an eine Hochschule gehen, 15 einen Bachelor schaffen, 8 den Master machen und nur eine*r promoviert. Das hat sich in den letzten fünf Jahren nicht geändert. Prekäre Finanzen, Doppelbelastung durch Zweitjobs, weniger Unterstützung aus dem eigenen sozialen Milieu beim Übergang auf den Arbeitsmarkt, sind nur einige Aspekte, die das Leben für Arbeiterkinder im Universitätsbereich erschweren. Ciani-Sophia Hoeder Es gibt immer Türen, die bleiben dir verschlossen, wenn du eine Frau bist, wenn du jung bist oder schwarz bist. Aber als weißer alter intelligenter reicher Mann sind alle Türen, die ab Werk geöffnet sein können, auf. Man kann immer noch Pech haben, man kann immer noch echt arm dran sein, aber die Werkeinstellung für dich ist die beste, wenn du ein Mann bist. Wenn man solch einen Startvorteil hat, ist es ganz schwer zu abstrahieren, dass deine Leistung nicht nur deine Leistung ist, sondern auch deinem Status geschuldet ist, den du nicht selbst verschuldet hast. Sophie Passmann im Gespräch mit Sascha Lobo




#Arbeitsethos


Das Arbeitsethos ist die Arena, in der eine tiefere Erfahrung heute am nachhaltigsten angegriffen wird. So wie wir das Arbeitsethos gewöhnlich verstehen, steht es für den disziplinierten Gebrauch der eigenen Zeit und den Wert aufgeschobener Belohnung. In einer Ordnung, wo sich Institutionen rasch verändern, verliert die aufgeschobene Belohnung ihren Wert. Richard Sennett





 

WELCHE EINSTELLUNG ZUM THEMA ARBEIT MÖCHTEST DU DEINEN KINDERN VERMITTELN? 

#Identifikation


In welchem Job kann ich mich am besten selbst verwirklichen? Wie kann ich meine Leidenschaft zum Beruf machen? Das sind historisch betrachtet sehr neue Fragen, die bisher bei der Berufswahl nur eine nachgeordnete Rolle gespielt haben. In unserer Zeit lautet das Mantra hingegen „Do what you love“ - du kannst alles erreichen, wenn du nur deiner Leidenschaft nachgehst, hart dafür arbeitest und fest an dich glaubst. Allerdings ist „Do what you love“ ein verkleideter, versteckter Elitismus, denn wer kann es sich schon leisten stets seiner Leidenschaft nachzugehen? Ein junger Mann, desssen Eltern sein Studium an einer Privatuniversität sowie die Unterkunft bezahlen, wahrscheinlich schon. Eine alleinerziehende Mutter, die sich ohne Unterstützung um die Versorgung ihrer Familie kümmern muss, wahrscheinlich nicht. Die Hingabe zum Beruf wird in priveligierten Kreisen zur noblen Geste der Selbstoptimierung. Demnach ist Arbeit nicht primär etwas, das man gegen Geld tauscht, sondern ein Akt der Selbstverwirklichung. Das Selbst wird über den Beruf erst wirklich legitmiert. Ich arbeite nicht als Grafikdesignerin, ich bin Grafikdesignerin. Laura Wiesböck




#Plan


Privilegien. Das ist ein großes Thema. Im Aktivismus. Allen voran im Netzaktivismus, aber eigentlich gehört es an jeden Tisch, in jeden Kopf, in viele Debatten. Nicht nur von denjenigen*, die sich bewusst dieser Thematik widmen, sondern vor allem bei Menschen, die sich ihrer Vorteile gar nicht so bewusst sind. Denn ein Privileg ist ein Vorrecht, das einer einzelnen Person oder einer Personengruppe zugeteilt wird. Es geht dabei nicht darum, dass Einzelpersonen schlechte Menschen sind. Es geht vielmehr, um das gesamte System, dass bestimmte Gruppen bevorzugt und andere unterdrückt. So ist es ein Privileg, kein Rassismus oder Sexismus abzubekommen oder niemals Angst vor Armut zu haben. Ich bin eine Schwarze Frau in Deutschland. Doch ich bin eine light-skinned, cis-Schwarze Frau, die normschön ist. Privilegien zu haben bedeutet nicht, dass du selbst auf einer Weise Unterdrückung erlebt hast. Zwar habe ich meinen Master in Politik gemacht, aber ich bin ein Arbeiter*innenkind. Es war ein verdammt steiniger Weg dorthin. Der Begriff "Arbeiter*innenkind" stammt von “Kinder von Arbeitern” und ist im politischen Diskurs bereits etabliert. Dabei handelt es sich um Kinder und Jugendliche, die einer sozialen Schicht angehören, die über geringeres Einkommen, Ansehen und Bildungschancen verfügen. Ein sozialer Aufstieg ist schwer. In Zahlen bedeutet es, das von 100 Kindern, deren Eltern nicht studiert haben, 21 an eine Hochschule gehen, 15 einen Bachelor schaffen, 8 den Master machen und nur eine*r promoviert. Das hat sich in den letzten fünf Jahren nicht geändert. Prekäre Finanzen, Doppelbelastung durch Zweitjobs, weniger Unterstützung aus dem eigenen sozialen Milieu beim Übergang auf den Arbeitsmarkt, sind nur einige Aspekte, die das Leben für Arbeiterkinder im Universitätsbereich erschweren. Ciani-Sophia Hoeder Es gibt immer Türen, die bleiben dir verschlossen, wenn du eine Frau bist, wenn du jung bist oder schwarz bist. Aber als weißer alter intelligenter reicher Mann sind alle Türen, die ab Werk geöffnet sein können, auf. Man kann immer noch Pech haben, man kann immer noch echt arm dran sein, aber die Werkeinstellung für dich ist die beste, wenn du ein Mann bist. Wenn man solch einen Startvorteil hat, ist es ganz schwer zu abstrahieren, dass deine Leistung nicht nur deine Leistung ist, sondern auch deinem Status geschuldet ist, den du nicht selbst verschuldet hast. Sophie Passmann im Gespräch mit Sascha Lobo




#Arbeitsethos


Das Arbeitsethos ist die Arena, in der eine tiefere Erfahrung heute am nachhaltigsten angegriffen wird. So wie wir das Arbeitsethos gewöhnlich verstehen, steht es für den disziplinierten Gebrauch der eigenen Zeit und den Wert aufgeschobener Belohnung. In einer Ordnung, wo sich Institutionen rasch verändern, verliert die aufgeschobene Belohnung ihren Wert. Richard Sennett





 

WIE STELLST DU DIR DEINEN LETZTEN ARBEITSTAG VOR? 

#Angst


Was machen wir also mit der Zeit, die uns nach dem Renteneintritt bleibt? Das ist die Frage, die mehr fordert als der Gedanke an den Kontoauszug. Uns diese Frage wirklich zu stellen, wie wir die Zeit im Alter nutzen, könnte jedoch auch mehr verändern. Ich finde es aus meiner jetzigen Perspektive jedoch die falsche Frage, auch wenn ich aus Autorinnensicht die Aussicht auf den Ruhestand ziemlich gut finden müsste: Ich bekomme endlich ein Grundeinkommen und kann den ganzen Tag schreiben, ohne den Druck zu haben, damit Geld verdienen zu müssen. Doch warum stellen wir uns nicht die Frage, wie wir die Zeit, die wir haben, insgesamt anders nutzen? Es macht mich traurig, dass die Phasen des Lebens so stark voneinander abgegrenzt sind. Sich auf den Ruhestand freuen, um endlich Zeit zu haben für die Dinge, für die vorher keine Zeit war? Für Sachen, die mir Spaß machen, wie zum Beispiel jeden Morgen laufen zu gehen, bin ich dann vielleicht schon zu steif oder zu gebrechlich. Der Ruhestand kann zudem eine neue Art von Stress bedeuten, denn plötzlich sind dort all diese freien Tage, die mit Aktivitäten gefüllt werden müssen, wenn man nicht damit zufrieden ist, jeden Tag ein Buch zu lesen oder darauf zu warten, dass die erwachsene Tochter ans Telefon geht. Wo lernt man eigentlich, eine zufriedene Rentnerin zu sein? Teresa Bücker




#Party


Das gute Leben auf den Zeitraum des Ruhestandes zu schieben, halte ich für eine schlechte Idee. Wir brauchen diese Zeit schon vorher, damit unsere Partnerschaften und Freundschaften überhaupt bis zur Rente halten und wir die langen Gespräche mit unseren Kindern nicht erst dann führen, wenn wir alle schon graue Haare haben. Die Struktur des Erwerbslebens jedoch verschiebt all diese Dinge, die für ein ausgewogenes Leben wichtig sind, in den letzten Abschnitt unseres Lebens. Sie fragt nicht, ob es die beste Lösung sei, die meiste Zeit für Beziehungen, fürs Weltentdecken, für politisches oder ehrenamtliches Engagement, für Hobbys in diese Phase zu legen. Die Älteren »genießen ihren Ruhestand« ist eine häufige Formulierung für die Zeit nach der Erwerbsarbeit. Aber hat Ihnen schon einmal jemand gesagt, Sie sollten die Zeit zwischen 30 und 50 genießen? Teresa Bücker