WER ZU WORT KOMMT

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BENEDIKT

arbeitet sichtlich hart an der Kunst und ist damit wohl das Antiklischee des sich treiben lassenden Langschläfer-Künstlers. Sein Tag ist geregelt, genau wie die Woche und der Monat. Er liest. Er schreibt. Und manchmal wechselt er auch das Medium. 

CAMILA

hat ihr abschließendes Praktikum zum Geografie-Studium in Rio de Janeiro gemacht und ist nie wieder so richtig zurück nach Deutschland gekommen. Um sich das Leben dort finanzieren zu können, ist sie auf ihren Vollzeitjob angewiesen. Sie weiß wie man hart arbeitet und ist dabei unheimlich gewissenhaft.  

DANIEL

hat in Österreich Koch und Kellner gelernt und ist mit diesem Beruf, den er mit größter Leidenschaft gemacht hat, ganz schön rumgekommen. Und trotzdem war klar: Die körperliche Belastung ist nicht ewig so möglich und Jobs gibt es auch nicht immer so wie man sie braucht. Jetzt macht er was ganz anderes, denn Arbeit ist eben auch an die Notwendigkeit gebunden, Geld zu verdienen. Eine Familie zu ernähren.  

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ELISA

weiß was sie will und arbeitet mit einer Selbstverständlichkeit darauf hin, die beeindruckend ist und sie genau an den Arbeitsplatz gebracht hat, von dem sie seit mindestens 6 Jahren spricht. Manchmal kann sie es nicht glauben mit ihrer Leidenschaft als Musikredakteurin Geld zu verdienen. Aber Wochenenden mag sie schon auch sehr, sehr gerne. 

HAGEN

ist sich absolut bewusst, dass wir arbeiten müssen um Geld zu verdienen und würde trotzdem manchmal gerne ein bisschen Tempo rausnehmen. An seinem Studium arbeitet er akribisch und perfektionistisch. Für Aufgaben von seinem Nebenjob an freien Tagen hat er wenig Verständnis, da setzt er sich dann bei seiner nächsten Schicht dran. 

JASMIN

hat zu Beginn des Jahres eine allumfassende Entscheidung gegen die Arbeit getroffen. Gegen die Uni, gegen das Catering. Das Ziel: Mit so wenig Geld wie möglich auskommen und endlich ernsthaft fragen: Was interessiert mich wirklich? 

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BERNADETTE

hat sich für das Vernünftigere entschieden: BWL als Beruf und Musik als Leidenschaft und Ausgleich. Durch Home-Office wurde der schnelle Wiedereinstieg in das Arbeitsleben nach der Geburt ihrer Tochter leichter und trotzdem funktioniert das nicht immer reibungslos. 

CHRISTINE

hat ihr Leben lang als Krankenschwester gearbeitet. Sie hat damit ihre Familie ernährt, sie war dabei von niemandem abhängig und das war auch oft sehr anstrengend. Und trotzdem hat sie ihren Arbeitsplatz geschätzt, all die Kolleg*innen, das Miteinander und gemeinsame Betriebs-ausflüge. 

DANIEL

wusste schon ziemlich früh, was er werden möchte und das hat dann auch geklappt. Als Trickfilmer arbeitet er seit Jahren selbstständig und sieht es als großen Luxus an, sich die Zeit frei einteilen zu können. Jetzt, wo er auch noch an der Uni unterrichtet, ist das ein bisschen anders, dafür kommt jeden Monat der gleiche Betrag aufs Konto.

ELKE

wollte Friseurin werden und dabei ist sie auch geblieben. Genau wie in der Stadt, in der sie geboren ist. Der tägliche Kontakt und die teilweise jahrelangen Kundschaften sind das, was sie daran am meisten schätzt. Mittlerweile hat sie ein Zimmer in ihrer Wohnung zum Friseursalon umgebaut und arbeitet dort selbstständig. 

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HEIDI

hat ihr Leben lang gearbeitet. Sie war Krankenschwester, Mutter, Aushilfe in verschiedenen kleinen Läden. Sie hat ihre eigene Mutter gepflegt und dann noch eine weitere Ausbildung gemacht. Finanziell war sie aber doch - zumindest auf dem Papier - immer anhängig von ihrem Mann. Dass das nie ein Problem dargestellt hat, liegt nur an dem hundertprozentigen Teamgedanken, den die beiden hatten.  

JUDITH

arbeitet seit Jahren mit einer bewundernswerten Energie als Kindergartenpädagogin. Seit ein paar Jahren leitet sie einen Kindergarten und sitzt auch mal noch bis in die Nacht hinein an den Geschenken fürs Sommerfest. Arbeit ist ihr wichtig um Geld zu verdienen, aber es ist auch einfach eine schöne Arbeit. 

KRISTIN

hat eine Ausbildung zur Physiotherapeutin gemacht und damit inhaltlich fast ein Medizinstudium. Die Ausbildung ist teuer und das Gehalt gering. Auch wenn es für sie nicht an erster Stelle um das finanzielle geht, ist das ganz schön kräftezehrend. Um permanent auf dem neusten Stand zu bleiben macht sie immer wieder Fortbildungen, die sie meist selbst finanzieren muss. 

LOUISA 

ist eine Macherin. Ausbildung, Studium, Beruf, Studium. Top qualifiziert und immer auf der Suche nach einer neuen Herausforderung. Mit ihrer Tochter ist  auch die Frage nach Vereinbarkeit von Familie und Beruf immer präsenter geworden.

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MARITTA

hat die Veränderungen der Arbeit zur Wendezeit miterlebt und damit auch die Schwierigkeit in dieser sich verändernden Staatsform einen neuen Beruf zu finden. Sie hat erlebt wie schambesetzt es ist, zuhause zu bleiben, wenn alle zu ihren Jobs gehen. Und trotzdem hat sie mit einer beeindruckenden, optimistischen Energie nicht aufgegeben.     

NILS

hat nach der kaufmännischen Ausbildung Landschaftsarchitektur studiert und sich dann mit Gastronomie selbstständig gemacht, um dann wieder in seinen studierten Beruf zu wechseln. Er weiß was (finanzielle) Verantwortung für ein Team bedeutet und welche Last diese sein kann. Er ist extrem vielseitig kompetent.

RALF 

ist nach dem Studium relativ schnell in ein Unternehmen gekommen, dem er bis jetzt treu geblieben ist und in dem er sich von Jahr zu Jahr hochgearbeitet hat. Er mag dieses Unternehmen und doch sind die Arbeit und das Leben außerhalb manchmal schwer vereinbar.

SANDRA

hat mit 15 ihre Ausbildung als Hotelfachfrau begonnen und ist mit ihrem Beruf in der Welt herumgekommen. Nicht mal 7 Jahre später, nach der zweiten Ausbildung, war sie Restaurantleiterin in einem schicken Hotel. Dann Mama. Das Geld hat sie ab diesem Zeitpunkt familienfreundlicher mit einem Bürojob verdient. Die Arbeit ist ok. Ihre Kolleg*innen sind der Grund, warum sie morgens gerne kommt. 

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MAYSSOUN

will Chirurgin werden, das war ihr schon vor zwei Jahren absolut klar, da war sie 14. Sie weiß genau wie viele Jahre Ausbildung ihr noch bevorstehen, bevor sie endlich arbeiten kann. Realschul-abschluss, Abi, Uni, praktisches Jahr. Dieses Ziel ist ihr größter Ansporn und hilft ihr im Alltag nicht aufzugeben.  

PELLE

wollte kein Koch werden und hat deshalb auch keine Ausbildung zum Koch gemacht. Irgendwie ist er aber dann doch einer geworden und zwar ein richtig feiner. Gerade probiert er verschiedene Wege in Richtung Selbstständigkeit.

RICHARD

trifft berufliche Entscheidungen zweckgerichtet dahingehend, damit auch später mal Geld zu verdienen. Nach seiner Ausbildung hat er ein Studium begonnen, das er sich mit Nebenjobs finanziert. Arbeit und Privates trennt er gerne strikt. 

SARAH

wollte unbedingt Rezeptionistin werden und zwar schon sehr, sehr lange. In jüngsten Jahren hat sie schon die beeindruckendsten und komplexesten Tabellen auf ihrem Computer erstellt um die Gäste in ihrem Kinderzimmer, dem „Hotel“, aufzunehmen. Jetzt steht sie in einem echten, schicken Hotel mit echten Gästen. 

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TAMARA

wurde in der Schultheater AG darauf aufmerksam gemacht, dass Schauspielerin auch ein Beruf ist, mit dem man Geld verdienen kann, also hat sie ihn auch ergriffen. Nach der Schauspielschule war sie fest an einem Haus,  jetzt arbeitet sie frei. Ihr Arbeitsumfeld ändert sich also ständig, das ist so in dem Beruf und das ist Fluch und Segen zugleich. 

THERESA

lebt sehr im Hier und Jetzt und hier und jetzt hätte sie gerne einen Laden in dem sie ihre wunderschöne Keramik verkaufen kann. Aber die Selbstständigkeit ist ganz schön schwierig und kräftezehrend. Sie hat immer neue kreative Ideen um sich ihr Produktdesign Studium zu finanzieren.

HANNAH ARENDT 

hat, wenn man sie selbst gefragt hat, als politische Theoretikerin gearbeitet, auch wenn andere sie als Philosophin bezeichneten. In »Vita activa« unterscheidet sie die Tätigkeitsformen arbeiten, herstellen und handeln. Wenn sie arbeitet ist sie an Wirkung nicht interessiert und wenn die Arbeit fertig ist, ist sie damit fertig. Wesentlich ist der Schritt davor: Sie muss verstehen und ihr Schreiben, also ihr Arbeiten, ist in diesem Verstehensprozess zwangsläufig enthalten. 

KARLHEINZ GEIßLER

arbeitet seit 30 Jahren an der Zeit. Zusammen mit zwei Kollegen hat er »timesandmore« – ein Institut für Zeitforschung gegründet und verschiedene Bücher zum Thema geschrieben. Unter anderem »Wart mal schnell. Minima Temporalia« in dem er verschiedenartige Beiträge zum Thema sammelt und auch auf die Verbindung von Arbeit und Zeit eingeht. 

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VIRGINIE DESPENTES 

schreibt mit »King Kong Theorie« ein „flammendes Pladöyer für das Unangepasstsein.“ Sie schreibt für Selbstbestimmung und Entscheidungsfreiheit. Von ihrer Arbeit im Supermarkt, als Prostituierte und als preisgekrönte Schriftstellerin. Das alles schließt sich nicht aus, das sind Entscheidungen, die stehen nebeneinander. 

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FRIGGA HAUG

kämpft seit über 50 Jahren als Soziologin und Philosophin für Gerechtigkeit. Ihr feministischer Blick ist dabei kritischer Ausgangspunkt. Unermüdlich hat sie immer an mehreren Projekten in der Lehre und der Politik gleichzeitig gearbeitet. »Die Vier-in-einem-Perspektive« soll den Blick dafür öffnen, dass unser Leben mehr Arbeit als Erwerbsarbeit ist. 

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SOPHIE PASSMANN

ist Moderatorin und Autorin. Mit »Alte weiße Männer« hat sie, wie der Untertitel sagt, einen Schlichtungsversuch geschrieben. In Gesprächen mit verschiedenen Männern aus dem öffentlichen Leben ging es dabei auch auf um Startvorteile im (Berufs)leben.

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LOLA RANDL

ist Filmregisseurin, Drehbuchautorin und Schriftstellerin. In ihrem Roman »Der große Garten« schreibt sie über Stadtflucht und gleichzeitig über die Schwierigkeiten auf dem Land „der Fülle des modernen Lebens zu entkommen und in Ruhe sein Gemüse zu ziehen.“ Eine Empfehlung meiner Buchhändlerin, als ich sie nach Arbeitsutopien gefragt habe. 

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WOLFGANG ENGLER

ist Hochschullehrer, Kultur-soziologe und Publizist. Mit »Bürger, ohne Arbeit« schreibt er ein Plädoyer zur Neugestaltung der Gesellschaft, die sich nicht ausschließlich auf der Erwerbs-arbeit aufbaut und in der auch Menschen, die von dieser - aus welchen Gründen auch immer - ausgeschlossen sind, Erfüllung und Sinn finden. 

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WOLFGANG HERRNDORF 

war Schriftsteller. Nach der Diagnose Hirntumor gab es für ihn nur eine Option: »Arbeit und Struktur«. Er verfasst ein Tagebuch als Strategie zur Handlungsfähigkeit, zur Autorität über das Leben und um Autor zu sein bis zum Schluss. Neben dem Journal, verfasst er in dieser Zeit auch noch zwei weitere Romane und ist damit so produktiv wie nie zuvor in seinem Leben. 

RICHARD SENNETT

ist Soziologe und skeptisch gegenüber der  Flexiblität, die der globale Kapitalismus Arbeit-nehmer*innen bringt. In »Der flexible Mensch« beschreibt er anhand der Beobachtung verschiedener Menschen, was die immerwiederkehrenden Ver-änderungen, die dem modernen Arbeitsleben eingeschrieben sind, mit Menschen macht. Sein Fazit: "Eine Gesellschaftsordnung, die das Bedürfnis des Menschen nach Stabilität so sehr vernachlässigt, kann nicht von Bestand sein." 

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LAURA WIESBÖCK 

ist Soziologin und Publizistin. Sie forscht und schreibt zu Formen, Ursachen und Auswirkungen von sozialer Ungleichheit. Mit »In besserer Gesellschaft. Der selbstgerechte Blick auf die Anderen« hinterfragt sie, warum wir uns so gerne überlegen fühlen, warum es für uns wichtig ist, uns abzugrenzen. Warum wir manchmal doch denken, dass unsere  Meinungen, Werte und Lebensweisen die einzig richtigen sind während wir „Aber wir sind doch alle gleich!“ rufen. Es ist ein Plädoyer für konstruktiven Dialog und Verständnis. 

SALOMÉ BALTHUS

ist Prostituierte und zwar sehr gerne. Sie kann gut davon leben, so gut, dass sie es sich leisten kann, „nebenbei genüsslich zu kolumnieren“ wie sie selbst sagt. Das macht sie auf ihrem Blog oder auch im Coronatagebuch des SZ-Magazins. Dort schreibt sie, was ihr an ihrer Arbeit fehlt und über welche Alternativen sie während der Kontaktbeschränkung nachgedacht hat. 

SIBYLLE BERG

ist Schriftstellerin, Dramatikerin und Kolumnistin. Mit berührender Einfühlsamkeit schreibt sie in ihrer Prosa und ihren Bühnenstücken über skurrile Persönlichkeiten, über Abgehängte und Unverstandene. In ihren journalistischen Texten kommentiert sie klug die Gegenwart, so auch in  »Was sagt uns das, das sogenannte Politische?«, dem Text, der der Lecture Performance zugrunde liegt. Dort schreibt sie über Abhängigkeit, künstlerische Freiheit, das Patriarchat und über die große Hoffnung, die wir trotzdem in das Theater haben sollten, den Ort, an dem auch sie manchmal arbeitet. Es könnte doch so schön sein. 

TERESA BÜCKER

arbeitet als Journalistin seit über 10 Jahren zu Themen wie Wandel der Arbeitswelt, Gerechtigkeit, Macht und sexuelle Selbstbestimmung. Für das SZ-Magazin schreibt sie die Kolumne „Freie Radikale“ und fragt beispielsweise: Ist es radikal bis 80 zu arbeiten? oder - alle Care-Arbeit selbst zu übernehmen? Damit trifft sie den Kern der Frage, wie selbstbestimmtes Privat- und Arbeitsleben vereinbart werden können.

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CIANI-SOPHIE HOEDER

ist freie Journalistin und schreibt über Gesellschaftsthemen, Politik, über das Dasein eines Millennials, Feminismus und Popkultur. Sie schreibt auch  über institutionellen Rassismus und hat das online-Magazin RosaMag gegründet – damit informiert, inspiriert und empowert sie Schwarze Frauen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz.

DORIS DÖRRIE

ist Filmregisseurin und Autorin. Wie so viele ist sie während der Corona Pandemie an den heimischen Schreibtisch gefesselt, wie es ihr damit geht und was ihr fehlt in dieser digitalen (Arbeits)welt beschreibt sie in ihrem Coronatagebuch für das SZ-Magazin. 

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ALADIN EL-MAFAALANI 

ist Professor für Erziehungs-wissenschaft. Seine Themen sind soziale Ungleichheit und Bildung, dazu veröffentlicht er auch verschiedene  wissenschaftliche Schriften. Außerdem setzt er sich für eine breite Zugänglichkeit seiner Diskussionsveranstaltungen ein, indem er diese aus priviligierten und zugangsbeschränkten Orten hinausverlagert und so informell wie möglich hält.   

SOPHIE LOIDOLT

arbeitet als Professorin für Praktische Philosophie an Universitäten in Österreich und Deutschland.  Ihren Vortrag »Lust und Frust des animal laborans« hat sie in Rahmen des 21. Philosophicum Lech mit dem Titel »Mut zur Faulheit. Die Arbeit und ihr Schicksal« gehalten. Bei dieser Tagung haben sich verschiedene Wissenschaftler*innen gefragt, wie viel Mut es braucht, um sich eine Welt vorzustellen, in der sich nicht alles um Arbeit dreht. Sie beschreib die Verfallsformen der vita activa von Hannah Arendt und bringt damit eine heutige Perspektive auf diesen Text.