DER URSPRUNG DER ARBEIT

 

I believe in work

I, das bin erstmal ich, Laura. 

Ich forsche gerne nach, gehe Dinge gerne wissenschaftlich an und deshalb starte ich mein Projekt mit dieser steilen These: Ich glaube an die Arbeit. Im Deutschen klingt das so sehr nach Gott und weil das bei mir gar nichts damit zu tun hat, bleibe ich bei der englischen Version. 

 

„I believe in work“ denke ich und beginne damit vor knapp einem Jahr langsam das Projekt ins Rollen zu bringen. Ausgangspunkt: Ich vertraue darauf, dass die Arbeit, die ich mache sich lohnt, dass sie mich irgendwo hinbringt, dass sie mir Selbstständigkeit bringt. Wie sie mir das Gefühl von Autonomie gebracht hat, als ich mir mit 14 nach meinem ersten Ferienjob im Media Markt Büro, meinen ersten Laptop kaufen konnte – mit diesem Laptop habe ich auch meine ersten wissenschaftlichen Arbeiten an der Uni geschrieben. Ich glaube, nein ich weiß oder hoffe zu wissen, dass die Arbeit mir hilft, irgendwann dafür Geld zu bekommen, wofür ich mich seit Jahren ausbilde, dass sich all die Sommer in Biergärten und Eisdielen und Winter in rauchigen Kneipen – mit denen ich mir meine Theaterarbeit finanziert habe – gelohnt haben. Das hat mir Spaß gemacht. Ich mochte immer die Mischung aus Kopfarbeit und knallharter körperlicher Arbeit, aber es war auch echt anstrengend und hat mich oft an meine Grenzen gebracht. Nie jedoch so weit, dass ich tatsächlich meine These in Frage gestellt hätte: I believe in work. 

 

Arbeit hat für mich seit Jahren ganz klar zwei Seiten: Existenzsicherung und Identitätsstiftung. Diese beiden Seiten sind noch ziemlich klar voneinader getrennt: Kneipe und Theater, Zapfhahn und Laptop, Tresen und Probebühne. Mein Abschlussprojekt – das mich im besten Fall bald aus der Doppelbelastung befreit und die Aspekte Existenzsicherung und Identitätsstiftung vereint – ist eine umfassende Befragung der Arbeit und den Glauben daran.

Wie geht es meinem Umfeld? Glauben alle an die Arbeit? Ist es für sie Existenzsicherung, Identitätsstiftung, beides oder keines von beidem? Was auch immer. Klar ist, es betrifft uns alle. Wir arbeiten alle und wenn wir nicht arbeiten, dann weil es jemand anderes für uns tut. Und selbst dann gibt es ganz existentielle Tätigkeiten, die wir erledigen müssen, um uns am Leben zu halten. Wir müssen uns ernähren, uns warm und einigermaßen sauber halten – die allergrundlegendste Art von Tätigkeit wie Hannah Arendt sie beschreibt. Oder? Was tun die, die nicht arbeiten, die nicht daran glauben? Sind sie untätig oder nennen sie das, was sie tun nur nicht Arbeit? Fragen über Fragen zu denen einige was zu sagen haben, da bin ich mir sicher. 

 

Genau deshalb will ich mit Menschen ins Gespräch kommen. Menschen die ich kenne, denen ich schonmal auf der Straße begegnet bin oder noch nie. Ich will sie alle zusammenbringen und die Geschichten auf der Bühne verhandeln lassen, in Kontext stellen. Mit Aushängen in der Stadt, habe ich Menschen in Leipzig gesucht, die Lust haben, den Verhandlungsraum auf der Bühne mit mir zu nutzen und über Arbeit zu sprechen: Über Erfahrungen, Enttäuschungen und Utopien.  

 

Die Rückmeldungen haben meine Vorannahme bestätigt. Das Thema bewegt viele Menschen in ganz unterschiedlichen Positionen und einige hatten Interesse bei dem Projekt mitzudenken. Die Corona Pandemie hat dabei nicht nur zu einem neuen Format – weit weg von der analogen Bühne – sondern auch zu neuen Fragen geführt. Arbeit unter Extrembedingungen. Arbeit zuhause. Arbeit und Kinderbetreuung. Wie das ist, habe ich gefragt. 

 

Ich habe mich eingeschaltet in die zuhause eingerichteten Arbeitsplätze meiner Freund*innen und meiner Familie in Kassel und Kohldorf, in Ingolstadt, München und Leipzig, in Berlin und Rio de Janeiro und dann habe ich erst einmal zugehört, immer wieder die gleichen Fragen gestellt und zugehört. Die Zusammenschnitte sind „Gespräche“ zwischen Leuten, die sich noch nie getroffen haben und wahrscheinlich auch nicht getroffen hätten. Ihre Gedanken zum Thema stehen nun nebeneinander und ergeben ein vielseitiges Bild von Arbeit 2020. Und trotzdem, es ist ein Anfang, es sind einige Positionen sichtbar, aber eben längst nicht alle, es ist ein Dunstkreis aus Personen aus meinem nähesten Umfeld. Zu Wort kommen Menschen in den Videos oder auch in Form veröffentlichter Texte. Das ist ein Zwischenstand, eine Momentaufnahme von einigen Perspektiven, das erhebt niemals einen Anspruch auf Vollständigkeit, es kann von jeder Frage, von jeder Antwort und jedem Theorietext aus weitergedacht werden. 

 

Was tun wir, wenn wir tätig sind? Was sehen wir als Arbeit an, wie arbeiten wir und wie geht es uns damit? Wie können wir utopisch über eine Neuordnung nachdenken? Das sind Grundfragen dieser Arbeit. Und das sind auch Einladungen an alle, die auf das Projekt stoßen, mitzudenken, weiterzufragen. Das ist ein Verhandlungsraum. Willkommen. 

SOWAS MACHT MAN NICHT ALLEINE: DANKE TEAM

Danke Larissa Fischer fürs Mitdenken von der ersten Idee an, für die Theaterpädagogik, als es noch ganz anders geplant war, fürs dabei bleiben, den kreativen Input und das kritische Auge. Danke fürs da sein. 

 

Danke Gala Goebel für den Videoschnitt, all die Problemlösungsstrategien und die künstlerische Beratung. 

Danke Jana Spreckelmeyer für den wunderschönen Verhandlungsraum, die Websitegestaltung, die Geduld und Expertise.  

Danke an Dr. phil. Dag Kemser und Christine Lang für die Projektbetreuung von der Hochschule. Danke für die anregenden Nachfragen und die klugen Beobachtungen.  

 

Danke an alle, die mit mir über Arbeit gesprochen haben, das ist ein Gemeinschaftsprojekt!