WAS IST ARBEIT?

#Gartenarbeit


Der Garten Der Garten ist ein eingefasstes Grundstück, auf dem Pflanzen und/oder Tiere gehalten werden. Man kann auch auf die sichtbare Einfassung verzichten und sie sich nur denken. Die Grenze, ob mit oder ohne Einfriedung, ist die der Kultivierung, also die durch Menschenhand auferlegte Struktur und Ordnung, die den Garten von der wilden Natur trennt. Da es bei einem Garten auch immer darum geht, einen Frieden herzustellen, den es sonst nicht gibt, macht eine Einfriedung durchaus Sinn. Diese Abschirmung kann man mit einer Mauer, einem Zaun, einer Hecke oder anderem Schutz oder Sichtschutz herstellen. Einen Garten legt man an, um einen Ertrag zu erwirtschaften, sich zu ernähren, sich zurückzuziehen, sich zu entspannen oder auch aus therapeutischen Gründen. Der Garten als Therapeut kann einen beschäftigt halten und man kann sich ein Beispiel nehmen an den Pflanzen und Tieren, die gar nicht so viel grübeln, und er kostet vergleichsweise wenig. Ein Garten ist immer ein Kampf zwischen den eigenen Vorstellungen und äußeren Gegebenheiten. Lola Randl




#Kreieren


Im Herstellen manifestiert sich das Widernatürliche eines von der Natur abhängigen Wesens, das sich der immerwährenden Wiederkehr des Gattungslebens nicht fügen kann und für seine individuelle Vergänglichkeit keinen Ausgleich findet in der potentiellen Unvergänglichkeit des Geschlechts. Das Herstellen produziert eine künstliche Welt von Dingen, die sich den Naturdingen nicht einfach zugesellen, sondern sich von ihnen dadurch unterscheiden, daß sie der Natur bis zu einem gewissen Grade widerstehen und von den lebendigen Prozessen nicht einfach zerrieben werden. In dieser Dingwelt ist menschliches Leben zu Hause, das von Natur in der Natur heimatlos ist; und die Welt bietet Menschen eine Heimat in dem Maße, in dem sie menschliches Leben überdauert, ihm widersteht und als objektiv-gegenständlich gegenübertritt. Die Grundbedingung, unter der die Tätigkeit des Herstellens steht, ist Weltlichkeit, nämlich die Angewiesenheit menschlicher Existenz auf Gegenständlichkeit und Objektivität. Hannah Arendt




#Notwendigkeit


Die Tätigkeit der Arbeit entspricht dem biologischen Prozeß des menschlichen Körpers, der in seinem spontanen Wachstum, Stoffwechsel und Verfall sich von Naturdingen nährt, welche die Arbeit erzeugt und zubereitet, um sie als Lebensnotwendigkeit dem lebendigen Organismus zuzuführen. Die Grundbedingung, unter der die Tätigkeit des Arbeitens steht, ist das Leben selbst. Was die Mortalität anlangt, so sichert die Arbeit das Am-Leben-Bleiben des Individuums und das Weiterleben der Gattung. Hannah Arendt Wir können freilich viele Tätigkeiten auslagern, von anderen erledigen lassen: den Haushalt, das Putzen, die Pflege. Doch das Leben, das sich in uns vollzieht und nach unserer Tätigkeit verlangt, der Metabolismus, das Altern – das sind wir selbst. Das charakteristische am Arbeiten ist: Es hört nie auf. Der 'tägliche Kleinkampf' mit dem wir uns geschirrspülend, waschend, putzend, kochend, körperpflegend durchs Leben schlagen, erfordert keinen Mut und ist nicht gefährlich. Was die Anstrengungen so mühevoll macht, ist vielmehr ihre endlose Wiederholung. Wenn allerdings ein männlicher Held einmal aufräumt, so wie Herkules den Augiasstall, dann ist das: eine Heldentat. Und passenderweise hat auch nur der Augiasstall 'die wunderbare Eigenschaft, sauber zu bleiben, wenn er einmal gesäubert ist.' Hier sind wir nicht mehr im ewigen Zyklus des Arbeitens. Wenn Herkules putzt, dann ist das eine heroische Einmaligkeit – und auch der Schmutz hält sich daran. Sophie Loidolt




#Sweat





#Geld


Ich hasste es zu arbeiten. Mich deprimierte die Zeit, die es mir raubte, das wenige Geld, das ich verdiente, und die Leichtigkeit, mit der ich es ausgab. Ich schaute mir die älteren Frauen an, die ein ganzes Leben lang schufteten und mit 50 vom Abteilungsleiter angeschnauzt wurden, weil sie zu oft pinkeln gingen. Mit jedem Monat begriff ich genauer, was ein Leben als anständige Angestellte bedeutete. Und ich sah nirgendwo einen Ausweg. Man musste froh sein, überhaupt einen Job zu haben, schon damals. Aber ich war noch nie vernünftig gewesen, es fiel mir schwer, mich darüber zu freuen. Virginie Despentes




#Berufung


Der rationale Zugang, arbeiten zu gehen, einfach um Geld zu verdienen, ist in unserer gegenwärtigen Kultur nicht en vogue. Laura Wiesböck




#Gesellschaft


Unter modernen Verhältnissen hatte jeder Beruf seinen Nutzen für die Gesellschaft überhaupt unter Beweis zu stellen, und da die Verherrlichung der Arbeit die Brauchbarkeit gerade rein geistiger Betätigungen in einem mehr als zweifelhaften Lichte erscheinen ließ, ist es natürlich, daß die sog. Intellektuellen sehr bald keinen sehnlicheren Wunsch hegten, als unter die Masse der arbeitenden Bevölkerung gerechnet zu werden. Gleichzeitig aber, und nur in scheinbarem Widerspruch zu dieser Entwicklung stieg der Bedarf und somit auch das Prestige gewisser „geistiger“ Leistungen in dieser Gesellschaft in einem Maße, das nur mit den letzten Jahrhunderten des untergehenden Römischen Reiches vergleichbar ist. Um die Bedeutung dieses steigenden Bedarfs und des ihn begleitenden steigenden Prestiges richtig einzuschätzen, sollte man sich daran erinnern, daß im Altertum gerade die für die Gesellschaft notwendigen sog. Kopfarbeiten ausschließlich von Sklaven besorgt wurden, die als Schreiber in privaten oder auch öffentlichen Diensten standen, und natürlich dementsprechend bewertet wurden. Erst die fortschreidende Bürokratisierung des Römischen Reiches und der gesellschaftliche und politische Aufstieg des kaiserlichen Haushalts bewirkten eine wesentliche Presitige-Erhöhung dieser Art Dienstleistungen. Hannah Arendt





 

WAS WOLLTEST DU WERDEN?

#Gartenarbeit


Der Garten Der Garten ist ein eingefasstes Grundstück, auf dem Pflanzen und/oder Tiere gehalten werden. Man kann auch auf die sichtbare Einfassung verzichten und sie sich nur denken. Die Grenze, ob mit oder ohne Einfriedung, ist die der Kultivierung, also die durch Menschenhand auferlegte Struktur und Ordnung, die den Garten von der wilden Natur trennt. Da es bei einem Garten auch immer darum geht, einen Frieden herzustellen, den es sonst nicht gibt, macht eine Einfriedung durchaus Sinn. Diese Abschirmung kann man mit einer Mauer, einem Zaun, einer Hecke oder anderem Schutz oder Sichtschutz herstellen. Einen Garten legt man an, um einen Ertrag zu erwirtschaften, sich zu ernähren, sich zurückzuziehen, sich zu entspannen oder auch aus therapeutischen Gründen. Der Garten als Therapeut kann einen beschäftigt halten und man kann sich ein Beispiel nehmen an den Pflanzen und Tieren, die gar nicht so viel grübeln, und er kostet vergleichsweise wenig. Ein Garten ist immer ein Kampf zwischen den eigenen Vorstellungen und äußeren Gegebenheiten. Lola Randl




#Kreieren


Im Herstellen manifestiert sich das Widernatürliche eines von der Natur abhängigen Wesens, das sich der immerwährenden Wiederkehr des Gattungslebens nicht fügen kann und für seine individuelle Vergänglichkeit keinen Ausgleich findet in der potentiellen Unvergänglichkeit des Geschlechts. Das Herstellen produziert eine künstliche Welt von Dingen, die sich den Naturdingen nicht einfach zugesellen, sondern sich von ihnen dadurch unterscheiden, daß sie der Natur bis zu einem gewissen Grade widerstehen und von den lebendigen Prozessen nicht einfach zerrieben werden. In dieser Dingwelt ist menschliches Leben zu Hause, das von Natur in der Natur heimatlos ist; und die Welt bietet Menschen eine Heimat in dem Maße, in dem sie menschliches Leben überdauert, ihm widersteht und als objektiv-gegenständlich gegenübertritt. Die Grundbedingung, unter der die Tätigkeit des Herstellens steht, ist Weltlichkeit, nämlich die Angewiesenheit menschlicher Existenz auf Gegenständlichkeit und Objektivität. Hannah Arendt




#Notwendigkeit


Die Tätigkeit der Arbeit entspricht dem biologischen Prozeß des menschlichen Körpers, der in seinem spontanen Wachstum, Stoffwechsel und Verfall sich von Naturdingen nährt, welche die Arbeit erzeugt und zubereitet, um sie als Lebensnotwendigkeit dem lebendigen Organismus zuzuführen. Die Grundbedingung, unter der die Tätigkeit des Arbeitens steht, ist das Leben selbst. Was die Mortalität anlangt, so sichert die Arbeit das Am-Leben-Bleiben des Individuums und das Weiterleben der Gattung. Hannah Arendt Wir können freilich viele Tätigkeiten auslagern, von anderen erledigen lassen: den Haushalt, das Putzen, die Pflege. Doch das Leben, das sich in uns vollzieht und nach unserer Tätigkeit verlangt, der Metabolismus, das Altern – das sind wir selbst. Das charakteristische am Arbeiten ist: Es hört nie auf. Der 'tägliche Kleinkampf' mit dem wir uns geschirrspülend, waschend, putzend, kochend, körperpflegend durchs Leben schlagen, erfordert keinen Mut und ist nicht gefährlich. Was die Anstrengungen so mühevoll macht, ist vielmehr ihre endlose Wiederholung. Wenn allerdings ein männlicher Held einmal aufräumt, so wie Herkules den Augiasstall, dann ist das: eine Heldentat. Und passenderweise hat auch nur der Augiasstall 'die wunderbare Eigenschaft, sauber zu bleiben, wenn er einmal gesäubert ist.' Hier sind wir nicht mehr im ewigen Zyklus des Arbeitens. Wenn Herkules putzt, dann ist das eine heroische Einmaligkeit – und auch der Schmutz hält sich daran. Sophie Loidolt




#Sweat





#Geld


Ich hasste es zu arbeiten. Mich deprimierte die Zeit, die es mir raubte, das wenige Geld, das ich verdiente, und die Leichtigkeit, mit der ich es ausgab. Ich schaute mir die älteren Frauen an, die ein ganzes Leben lang schufteten und mit 50 vom Abteilungsleiter angeschnauzt wurden, weil sie zu oft pinkeln gingen. Mit jedem Monat begriff ich genauer, was ein Leben als anständige Angestellte bedeutete. Und ich sah nirgendwo einen Ausweg. Man musste froh sein, überhaupt einen Job zu haben, schon damals. Aber ich war noch nie vernünftig gewesen, es fiel mir schwer, mich darüber zu freuen. Virginie Despentes




#Berufung


Der rationale Zugang, arbeiten zu gehen, einfach um Geld zu verdienen, ist in unserer gegenwärtigen Kultur nicht en vogue. Laura Wiesböck




#Gesellschaft


Unter modernen Verhältnissen hatte jeder Beruf seinen Nutzen für die Gesellschaft überhaupt unter Beweis zu stellen, und da die Verherrlichung der Arbeit die Brauchbarkeit gerade rein geistiger Betätigungen in einem mehr als zweifelhaften Lichte erscheinen ließ, ist es natürlich, daß die sog. Intellektuellen sehr bald keinen sehnlicheren Wunsch hegten, als unter die Masse der arbeitenden Bevölkerung gerechnet zu werden. Gleichzeitig aber, und nur in scheinbarem Widerspruch zu dieser Entwicklung stieg der Bedarf und somit auch das Prestige gewisser „geistiger“ Leistungen in dieser Gesellschaft in einem Maße, das nur mit den letzten Jahrhunderten des untergehenden Römischen Reiches vergleichbar ist. Um die Bedeutung dieses steigenden Bedarfs und des ihn begleitenden steigenden Prestiges richtig einzuschätzen, sollte man sich daran erinnern, daß im Altertum gerade die für die Gesellschaft notwendigen sog. Kopfarbeiten ausschließlich von Sklaven besorgt wurden, die als Schreiber in privaten oder auch öffentlichen Diensten standen, und natürlich dementsprechend bewertet wurden. Erst die fortschreidende Bürokratisierung des Römischen Reiches und der gesellschaftliche und politische Aufstieg des kaiserlichen Haushalts bewirkten eine wesentliche Presitige-Erhöhung dieser Art Dienstleistungen. Hannah Arendt





 

WAS BEDEUTET ARBEIT FÜR DEIN LEBEN?

#Anerkennung


Das Selbst wird über den Beruf erst wirklich legitimiert. Laura Wiesböck




#Luxus





#unter Menschen kommen


Das Handeln ist die einzige Tätigkeit der Vita activa, die sich ohne die Vermittlung von Materie, Material und Dingen direkt zwischen Menschen abspielt. Die Grundbedingung, die ihr entspricht, ist das Faktum der Pluralität, nämlich die Tatsache, daß nicht ein Mensch, sondern viele Menschen auf der Erde leben und die Welt bevölkern. Für Menschen heißt Leben – wie das Lateinische, also die Sprache des vielleicht zutiefst politischen unter den uns bekannten Völkern, sagt – soviel wie ‚unter Menschen weilen‘ (inter homines esse) und Sterben soviel wie ‚aufhören unter Menschen zu weilen‘ (desinere inter homines esse). Das Handeln bedarf einer Pluralität, in der zwar alle das selbe sind, nämlich Menschen, aber dies auf die merkwürdige Art und Weise, daß keiner dieser Menschen je einem anderen gleicht, der einmal gelebt hat oder lebt oder leben wird. Hannah Arendt




#Selbstwertgefühl


Am besten geht’s mir, wenn ich arbeite. Ich arbeite in der Straßenbahn an den Ausdrucken, ich arbeite im Wartezimmer zur Strahlentherapie, ich arbeite die Minute, die ich in der Umkleidekabine stehen muss, mit dem Papier an der Wand. Ich versinke in der Geschichte, die ich da schreibe, wie ich mit zwölf Jahren versunken bin, wenn ich Bücher las. Wolfgang Herrndorf




#Zeit


Wir sind seit mehr als 1600 Jahren, seit Augustinus, nicht viel weitergekommen bei dem Versuche, eine allgemein gültige Antwort auf die Frage: Was ist „Zeit“? zu finden. Augustinus gestand, auf diese Frage keine Antwort zu haben, wenn er sie denn von jemandem gestelltbekäme. Auch Heidegger, der ja viel über Zeit geschrieben hat, ließ verlauten, nicht zu wissen, was „Zeit“ ist. Weitergekommen sind wir mit der Anzahl der Antwortsuche - aber das hat die Verwirrung über das, was denn „Zeit“ wirklich sei, nur gesteigert. Zeit ist.. Der Physiker: Eine hartnäckige Illusion Der Psychologe: Ein Empfinden ohne Sinnesorgan Der Germanist: Ein einsilbiges Wort Der Existenz-Philosoph: Das Sein zum Tode Der Theologe: Der Anlauf zur Ewigkeit Der Sozialwissenschaftler: Die Ordnung des Vergänglichen Der Ökonom: Geld Der Politiker: Eine Legislaturperiode Der Literat: Ein Rätsel Karlheinz Geißler




#Sicherheit


Ich weiß, dass ich arbeiten müsste, um da raus zu kommen, aber ich kann nicht in diesem Chaos. Wolfgang Herrndorf




Die größte Motivation


Ein kleiner Ausschnitt aus einer Geschichte von absolutem Willen. Als sie in der neunten Klasse erste Bewerbungen schreiben müssen, bewirbt sich Mayssoun als Chirurgin und ich – die ihr beim Hausaufgaben verbessern hilft – sage, dass das nicht möglich ist. Sie belehrt mich eines besseren und macht ein paar Monate später ein Praktikum bei einem Chirurgen.




#Lob


Jemandem wie Aristoteles wäre es nie eingefallen, Arbeit oder gar den Gelderwerb wertzuschätzen. Sophie Loidolt