WIE VIEL OFFICE STECKT IN DEINEM HOME?

 
 

WAS FEHLT, WENN WIR NICHT DRAUßEN ARBEITEN DÜRFEN?

#sozialer Kontakt


Die Tätigkeit des Arbeitens als solche bedarf nicht der Gegenwart anderer Menschen, wiewohl ein in völliger Einsamkeit arbeitendes Wesen kaum noch ein Mensch wäre; er wäre ein Animal laborans (arbeitendes Tier) in des Wortes wörtlichster und furchtbarster Bedeutung. Hannah Arendt




#gegenständliche Welt


Indem wir also tätig sind, erleben wir eine gewisse Zeitlichkeit, eine bestimmte Räumlichkeit, eine Kausalität, Formen der Interaktion, alles was uns mit der Welt in Beziehung setzt und uns verortet. Sophie Loidolt




#Begegnung


Ich habe immer mehr das Gefühl, zu einem Gespenst zu werden. Findet all meine virtuelle Kommunikation wirklich statt? Oder bilde ich sie mir nur ein? Bin ich überhaupt noch da? Ich schaue aus dem Fenster, aber wer schaut zurück? Ich telefoniere wieder lange wie früher, und wenn ich kurz raus darf in die wirkliche Welt, bedanke ich mich glühend bei den Arbeiter*innen im Supermarkt, dass sie die Stellung halten. Aber kaum bin ich wieder zuhause, befällt mich dieses Gespenstergefühl. Doris Dörrie




#Berührung


Jetzt erst spüre ich, wie sehr mir das alles fehlt. Welche Sehnsucht ich habe nach der Entgrenztheit meines Körpers, tausendmal berührt von nicht-desinfizierten Händen. Sehnsucht ist etwas Wunderbares, wenn man weiß, dass sie erfüllt wird. Dass das Warten eines Tages ein Ende hat, und ich dann, mit frischem Appetit, alles für eine Weile noch mehr genießen werde als zuvor! Und wenn es auch langsam gehen wird mit der Rücknahme der Verbote, so ist es vielleicht umso besser, zumindest für die Erotik, die sich zaghaft ihre Rechte zurückstielt. Die Erotik will kultiviert werden. Bald werden sie enden, die Wochen der Isolation, der Angst, der Unfreiheit, des Entzugs. Bald ist es vorbei! Hoffe ich. Salomé Balthus




#Tapetenwechsel


Nach sechs Wochen Home-Office bin ich so erschöpft wie selten zuvor und sehne mich mit jeder Faser nach dem Ausbruch aus der digitalen Welt. Doris Dörrie




Gespräch: Wie es ist, wenn man draußen arbeiten muss.


Während ein Großteil Deutschlands die Arbeit von einem Tag auf den anderen in die eigenen vier Wände verlegen musste und diese nur noch im Notfall verlassen sollte, hat Kristin immer ganz normal weitergearbeitet. Ein Gespräch mit der Physiotherapeutin über Arbeit und Sicherheit. Über das sich-vergessen-fühlen, über Verantwortung und irgendwie auch über Geld.




#Kinderbetreuung


MOMENT: Alle Forscher sind sich einig, dass sozial benachteiligte Schüler durch die lange Zeit im heimischen Unterricht stark zurückfallen werden. Gibt es schon konkrete Untersuchungen, wie schlimm es ist oder werden könnte? Aladin El-Mafaalani: Nein, dazu ist diese Zeit noch zu kurz. Aber wir können Analogien von Studien zu den Sommerferien herleiten. In den Ferien wird Ungleichheit vergrößert. Werden SchülerInnen einen Tag vor und dann wiederum einen Tag nach den Sommerferien getestet, so fallen Kinder von unteren Schichten hier messbar zurück, während andere sich sogar weitergebildet haben, weil sie in den Sommerferien etwa viel gelesen, mit ihren Eltern Museen besucht oder auf Reisen Sprachkompetenzen erworben haben. Man kann sich darüber beschweren, dass in der Schule Ungleichheit nicht wesentlich reduziert wird, aber in der unterrichtsfreien Zeit wird sie sogar definitiv vergrößert. Ausschnitt aus einem Interview auf Moment.at mit Aladin El-Mafaalani





 

HOME-OFFICE UND KINDERBETREUUNG IN DREI WORTEN?

#Aufopferung


Der Begriff »Doppelbelastung« – im englischen Sprachraum spricht man von »second shift« – beschreibt in der Regel die Lebensrealität von Müttern, die zum einen erwerbsarbeiten, zum anderen sich um Kinder und Haushalt kümmern. Dass er für Männer nur selten Verwendung findet, hat gute Gründe: Sie übernehmen nachweislich deutlich weniger unbezahlte Arbeit als Frauen, schon bei der Kindererziehung, aber auch später in der Pflege von Angehörigen. Selbst wenn sowohl die Mütter als auch die Väter minderjähriger Kinder beide in Vollzeit arbeiten, ist der Unterschied in der unbezahlten Arbeit signifikant: In einer Studie der Hans-Böckler-Stiftung des Deutschen Gewerkschaftsbundes (2017) verbrachten die Frauen im Schnitt drei Stunden pro Tag mit Hausarbeit, Männer zwei. Teresa Bücker




#Chaos





#Vereinbarkeit